Der allergische Schnupfen (allergische Rhinitis) ist eine der häufigsten Atemwegserkrankungen und die häufigste immunologische Erkrankung überhaupt. Bei steigender Prävalenz in den vergangenen Jahrzehnten sei heute etwa jeder dritte Deutsche betroffen, verdeutlicht Prof. Dr. Ludger Klimek vom Zentrum für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden. Die Anfänge der allergischen Erkrankung liegen oft bereits im Kindesalter. 80 Prozent der Patienten erkranken vor dem 30. Lebensjahr. In den letzten Jahren sei zudem ein Anstieg der Neuerkrankungen von über 50-Jährigen zu verzeichnen. Obwohl gut therapierbar, bleiben Allergien in Deutschland oft unbehandelt.

Allergiepatienten durchlaufen häufig einen so genannten allergischen Marsch, erklärt Prof. Dr. Ludger Klimek: „Der Beginn der atopischen Erkrankung liegt häufig bereits im Kindesalter mit Symptomen eines hyperreagiblen Bronchialsystems, einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder einer Neurodermitis und entwickelt sich dann weiter zu einer allergischen Rhinitis oder zu einem Asthma bronchiale.“ Zudem entwickelten sich im Laufe der „Krankheitskarriere“ häufig Reaktionen auf weitere Allergene oder weitere Organe gerieten in Mitleidenschaft.

Aufgrund der weiten Verbreitung und der weltweiten Bedeutung allergischer Erkrankungen habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 2001 in ihrer Initiative „Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma (ARIA)“ eindeutige Empfehlungen für eine frühzeitige und ursächliche Behandlung von Allergien gegeben. Diese würden in Deutschland jedoch kaum beachtet, stellt Prof. Klimek fest. Nur bei sieben Prozent der Heuschnupfenpatienten und fünf Prozent der Asthmatiker werde eine ursächliche Therapie durch eine Hyposensibilisierung durchgeführt. „Die Gründe dafür liegen in einem schlechten Honorarsystem und somit einem Rückgang der Anzahl von Ärzten, die Allergiker versorgen“, erklärt Prof. Klimek. Im System der Regelleistungsvolumen würden Allergiediagnostik und insbesondere die langwierigen Hyposensibilisierungsbehandlungen für die Ärzte viel zu schlecht oder sogar überhaupt nicht honoriert.

Dies geschehe, obwohl heute weltweit akzeptiert sei, dass diese Behandlung als einzige Therapie eine ursächliche und nachhaltige Verbesserung der allergischen Reaktionslage bewirken könne, erläutert der Wiesbadener Professor. Dabei habe sich die Situation in den letzten Jahren weiter zugespitzt: „Die Zahl der Praxen, die die Hyposensibilisierungstherapie durchführen, nahm zwischen 2007 und 2010 nochmals um 13 Prozent ab. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Asthma-Patienten um 8,7 Prozent.“ Die Zahlen, so Prof. Klimek, machten die dramatische Unterversorgung von Allergikern in Deutschland deutlich.

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